Die Rechten schäumen. Den federschwingenden Amerikafreunden in der deutschen Presse schießt das Blut in die Adern und hypertonisch rotzen und kotzen sie Schmähungen gegen Oskar Lafontaine in die Druckmaschinen. Was man dann zu lesen bekommt, lässt erkennen, wie sehr der offensichtliche Erfolg des Saarländers ihnen unter die Haut geht wie ein bedrohliches Insekt: Das juckt und man muss kratzen, auch wenn sich die juckenden Stellen entzünden.
Kaum einer dieser Gereizten kann der Versuchung widerstehen, Lafontaine die Verwendung des Begriffs „Fremdarbeiter“ vorzuwerfen. Der Saarländer behauptet zwar, dieser Begriff sei ihm im Eifer nur so herausgerutscht. Doch das glaube wer will. Ich glaub’s nicht. Das war Absicht. Er wollte mit diesem Begriff nicht etwa am rechten Rand Stimmen fischen. So plump ist der Mann nicht. Das war vielmehr ein Köder für die rechte Journaille. Sie sollte sich selbst diskreditieren, indem sie Lafontaine die Verwendung dieses Begriffs vorwirft.
Für den einfachen Mann auf der Straße, der nicht nur dort, sondern auch an Arbeitsplätzen, an Stammtischen, am Tresen, bei Familienfeiern, in Oper und Theater und an vielen anderen Orten in unserer Republik massenhaft vorkommt, als sei er hier endemisch, für diesen einfachen Mann auf der Straße ist der Begriff „Fremdarbeiter“ vor allem ein Kürzel für existenzbedrohende wirtschaftliche und soziale Probleme. Er hat meist nichts, gelegentlich wenig und nur sehr selten etwas mit Rassismus zu tun.
Die wutschnaubende Journaille kann und will sich aber nicht zu einem Verständnis dieses Sachverhaltes durchringen. Sie wettert besinnungslos. Und so hat Oskar Lafontaine höchst geschickt einen Keil zwischen die Rechtspresse und das Volk getrieben. Dies nicht bemerkend, deuten die rechten Schreiber deswegen rassistische Untertöne in die Positionen des Linkspolitikers hinein. Und damit nicht genug. Da Oskar gelegentlich Chávez lobt, den venezuelanischen Linksnationalisten und Urvieh-Populisten, unterstellt ihm die Rechtspresse antiamerikanischen Nationalismus.
Der Weg ist nun nicht mehr weit zum Exzess der Verleumdung für diese ebenso flinken wie unanständigen Schreiberlinge. Was war da noch? Ach ja, Lafontaine ist schließlich in einer Partei, die sich den Sozialismus auf die roten Fahnen geschrieben hat, die heute so hübsch über ihren Parteihäusern flattern wie einst über den sozialdemokratischen. Die nun folgende Bastelarbeit ist auch für allerkleinste Hirne – die den Speichel nicht nur lecken, sondern, mit Galle versetzt, in Tinte verwandeln – nicht allzu schwer. Rassismus… Nationalismus… Sozialismus. Oskar Lafontaine, so darf man lesen in diesen Pamphleten, die zu recht in Latrinen bereitliegen, sei ein nationaler Sozialist.
Dies könnte ein Ehrentitel sein, denn es ist schließlich keine Schande, sein Vaterland zu lieben, die Nation nicht für ein Auslaufmodell zu halten und für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Entfremdung und Klassenherrschaft zu kämpfen. Doch in Deutschland ist dies natürlich eine Verunglimpfung, weil der Begriff „nationaler Sozialist“ eine Verbindung herstellt zu einer politischen Kraft, die weder national, noch sozialistisch war, sich aber so nannte: zu den Nationalsozialisten. Das ist übler Wortzauber, Schwarze Magie.
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