Der Partei „Die Linke“ wird von ihren Kritikern gern vorgeworfen, sie sei populistisch, sie verspreche jedem alles und habe kein Konzept, dies auch zu finanzieren.
Doch wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Fakt nämlich ist, dass durch Globalisierung, technischen und organisatorischen Fortschritt immer weniger Menschen in der Lage sein werden, durch eigene Arbeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Diesen Trend können auch die bürgerlichen oder die verbürgerlichten Parteien nicht aufhalten – auch nicht mit neoliberalen Strategien. Soll man denn die Opfer der Globalisierung und des technischen bzw. organisatiorischen Fortschritts verhungern lassen – mit der zynischen Begründung, wer wirklich arbeiten wolle und sich zu keiner Arbeit zu schade sei, der fände diese auch?
Auch die Linke weiß nicht, wie man dieses Problem lösen könnte, auch sie hat kein befriedigendes, kein realisierbares Konzept. Die Linke ist schließlich eine sozialdemokratische Partei (wozu brauchen wir eigentlich zwei sozialdemokratische Parteien in Deutschland?) und sie will den Kapitalismus keineswegs abschaffen, sondern den Markt nur durch staatliche Interventionen humanisieren.
Wie sieht es aber mit den revolutionären Parteien aus, die den Sozialismus anstreben? Diese sind sehr klein und zerstritten. Wenn sie sich wider Erwarten zusammenraufen und mit Dreschflegeln und Sensen bewaffnen würden, könnten sie dennoch den Kapitalismus nicht überwinden. Was auch immer sie vorschlagen, es ist allein schon deswegen nicht realisierbar.
Es ist nicht realisierbar, weil der Kapitalismus nicht nur eine Wirtschaftsordnung, sondern auch eine massenhaft verbreitete mentale und psychische Struktur ist, deren Wurzeln in der Geschichte, aber auch in angeborenen menschlichen Reaktionsbereitschaften verankert sind. Dort sitzen sie fest. Was aus diesen Wurzeln sprießt, in die richtige, in die sozialistische Form zu bringen, ist ein langwieriges Geschäft.
Ein Geschäft übrigens, dass eine Nummer zu groß ist für das verwegene Häuflein der revolutionären Linken in unserem Lande, weil man dazu nämlich etwas von Psychologie verstehen müsste – und von Psychologie wollen unsere revolutionären Linken bekanntlich nichts wissen.
Ich wiederhole: Niemand in diesem Lande, keine politische Partei hat ein Konzept zur Lösung des Problems, wie mit der zunehmenden Zahl von Menschen ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt umgegangen werden soll. Daher sind alle bisherigen Lösungsansätze populistisch, nicht nur die der Linken. Die Linken wollen, in Robin-Hood-Manier, den Armen geben, was sie den Reichen nehmen. Die bürgerlichten bzw. verbürgerlichten Parteien wollen Wohlstand für alle Arbeitswilligen durch Marktradikalismus. Beides wird nicht funktionieren.
Der linke Ansatz wird nicht funktionieren, weil sich heute Investoren den Staat aussuchen können, in dem sie investieren wollen. Der rechte Ansatz wird nicht funktionieren, weil der radikalisierte Markt umso schneller Arbeitsplätze auf Dauer abbaut, je weniger der Staat diese Tendenzen aufzuhalten versucht.
Die Folge ist, dass auf diesem Planeten eine immer kleiner werdende Zahl von Wohlstandsinseln wie Fettaugen in einer beständig an Volumen zunehmenden Magersuppe schwimmen wird. Dagegen helfen weder linke, noch rechte Utopien. Dagegen hilft nichts mehr, es sei denn, der höchst unwahrscheinliche Fall träte ein, dass die Menschenmassen plötzlich zum Umdenken bereit wären.
Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Konsum um jeden Preis. Profit um jeden Preis? Macht um jeden Preis?
Ich möchte nur einen Fakt in die diskussion mit einbringen.
Sie behaupten die Linkspartei möchte den Kapitalismus nicht abschaffen, wenn man aber einen blick in die programmatischen Eckpunkte der Linkspartei wirft sticht einem die Überschrift:“· III. Unsere Alternative: Soziale, demokratische und friedensstiftende Reformen zur Überwindung des Kapitalismus“ ziemlich stark ins Auge.
Offensichtlich hat die Linke doch ein Interesse daran den Kapitalismus zu überwinden schlicht eine neue Form der marktwirtschaft zu etablieren.
Ob dies nun die kommunistische Planwirtschaft sein soll sei dahingestellt.