Die Linke hat ein respektables Ergebnis hingelegt – überall da, wo sie in Bayern zur Kommunalwahl 2008 angetreten ist. Eine Steilvorlage für die kommende Landtagswahl war das allerdings nicht. Denn nach wie vor wird auf dem Lande sogar der Bierschaum schwarz, wenn’s ans Wählen geht.
Nicht überall ist Schweinfurt. Aber diese nordbayerische Mittelstadt zeigt doch, wo’s lang geht. Dort traten gestandene Leute an, keine Mentalradikalinskis und Stalinkultisten. So sollte es überall sein. Wenn es der Linken gelingt, lokal bekannte Persönlichkeiten mit Realitätssinn und Überzeugungskraft für eine Kandidatur zu gewinnen, dann bekommt sie auch genug Stimmen für den Einzug in den bayerischen Landtag.
Aber nur dann. „Revolutionäre“ Parolen und Positionen haben in Westdeutschland bisher noch nie mehr gebracht als ein paar Promille in der Größenordnung des durchschnittlichen Blutalkoholspiegels der Mitglieder derartiger Politsekten. Entsprechend vernebelt war der Realitätssinn dieser Klassenkämpfer.
Doch damit muss Schluss sein. Es gibt nun eine realistische Chance, die Linke als einflussreiche sozialdemokratische Partei bundesweit durchzusetzen und so die SPD vor die Alternative zu stellen, entweder selbst wieder sozialdemokratisch zu werden oder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Halt! Sagt die SPD nicht, die Linke sei antiquiert, habe keine neuen Antworten auf die Probleme der modernen Zeit, nur sie, die SPD schlage zeitgemäße sozialdemokratische Lösungen vor. Ja, ja – diese Lösungen stammen aus den Hirnen von Leuten wie Schröder und Clement. Wir wissen, was die heute offen, gestern verdeckt treiben und getrieben haben. Jeden steht frei, Sozialdemokratie zu definieren wie er mag, aber wenn die Definition nicht mit „sozial“ und wenig mit „demokratisch“ gemein hat, dann ist sie doch schon etwas merkwürdig, finde ich.
Der schwarze Schaum, diese eingebaute überwältigende CSU-Herrschaft dank freundlicher Unterstützung des ländlichen Wahlvolkes, muss nicht für die Ewigkeit sein. Daran kann man etwas ändern, aber nur, wenn sich die bayerische Linke ändert. Die SPD in ihrer gegenwärtigen Verfassung kann kein Vorbild sein, denn die dümpelt seit Jahrzehnten vor sich hin, rettungslos verloren, als Oppositionsdarsteller auf Laienspielniveau.
Die Linke braucht bodenständige, heimatverbundene Kandidaten, die zumindest hin und wieder auch einmal in der Kirche gesehen werden – Lehrer, Rechtsanwälte, Ärzte, Bauern mit Sinn fürs Praktische und dafür, was ankommt auf dem Lande in Bayern. Klar, um einen Spruch vom Strauß zweckzuentfremden: Solche Leute kann man sich nicht in Oberammergau schnitzen lassen. Mag sein, aber man kann es wenigstens versuchen.