Ja, war er denn nun ein Stasi-Spitzel, der Gysi… oder war er keiner. Zum x-ten Mal wird die Sau durchs Dorf getrieben - mit gewaltigem Lärm und Gequieke. Dabei wäre doch alles so einfach: Nehmen wir doch einmal an, lieber Leser, Sie gehörten zum unteren Drittel der Einkommenspyramide. Lebten in “prekären” oder davon bedrohten Verhältnissen. Und nun stellen Sie sich vor, der Gysi hätte tatsächlich für die Stasi gspitzelt und wir wüssten das jetzt hieb- und stichfest, ganz genau.
- Würde dadurch Hartz-IV verschwinden?
- Gäbe es deswegen keine Armutslöhne mehr?
- Hätten wir deswegen weniger Arbeitslose?
- Würden sich deswegen weniger Bundeswehrsoldaten an Orten herumtreiben, wo sie nichts zu suchen haben?
- Würden sich deswegen mehr Unternehmer an die Gesetze halten und brav Steuern zahlen?
- Gäbe es deswegen weniger Neo-Nazis, weniger Gewalt, weniger Krawall, weniger Frauendiskriminierung, weniger Ausgrenzung von Minderheiten, von Ausländern?
Nein, wenn Gysi Stasi-Spitzel gewesen wäre und wenn bürgerliche Politiker dies nach unermüdlichem Forschen und Debattieren endlich herausgefunden hätten, dann bliebe doch die Misere die alte.
Nun, man kann nicht alle Probleme der Welt lösen. Und wenn man sich mit dem Problem “Gysi” beschäftigt, dann geht natürlich Zeit für andere Probleme verloren. Darum muss man im Leben immer Prioritäten setzen. Dazu empfiehlt es sich, die ABC-Methode zu verwenden.
Mit der ABC-Methode teilt man die Probleme in drei Kategorien ein: Die A-Probleme sind ganz wichtig und dulden keinen Aufschub. Die B-Probleme sind auch wichtig, können aber noch eine Weile warten. Die C-Probleme schließlich sind von untergeordneter Bedeutung. Die Welt würde nicht untergehen, wenn man sie fallen ließe.
Hmmm, in welche Kategorie gehört dann der “Gysi-Stasi-Komplex”?
Sie haben, lieber Leser aus dem unteren Drittel der Einkommenspyramide vermutlich schon bemerkt, dass die Einteilung in die drei Kategorien nicht unabhängig ist von den Interessen.
Welche Interessen mag wohl einer haben, der den “Stasi-Gysi-Komplex” in die Kategorie A einordnet?
Für Sie, lieber Leser, sind die wirtschaftlichen Probleme des unteren Drittels der Einkommenspyramide vermutlich wichtiger.
Gut, man kann ja das eine tun, ohne das andere zu lassen. Wenn sie den Gysi erledigen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Probleme der unteren Schichten lösen wollen, dann müssen unsere Politiker halt noch härter arbeiten. Und da Arbeit sich wieder lohnen sollte, verstehe ich gut, wenn immer öfter Diätenerhöhungen auf der Tagesordnung des Parlamentes stehen.
Freilich, der Gysi ist auch kein Engel. Doch kommt es darauf wirklich an?